Kurzmeldungen

ACHTUNG: Nach den Osterferien vorübergehende Änderung auf Schulbuslinie VB65

(Rudingshain, Ulrichstein…)!

Näheres HIER!

AKTUALISIERUNG: durch den geänderten Fahrzeugeinsatz aufgrund des aktuell gültigen Baustellenfahrplans der Linie VB-65, ist der Bus zum Schulstandort Schotten (1. Stunde) stark ausgelastet.
Obwohl bisher alle Schüler befördert werden konnten, würden wir trotzdem gerne die betroffene Fahrt (VB-65/007) entlasten.

Ab sofort wird daher kurz nach dem planmäßigen Bus (ab 7:15 Uhr) ein zweiter Bus von Götzen zur Gesamt- und Grundschule in Schotten fahren.

„Für Freiheit und Demokratie jeden Tag kämpfen“

Checkpoint

ZEITZEUGIN „Frau vom Checkpoint Charlie“ berichtet in Vogelsbergschule über ihr Leben

 

Mitte der 1980er Jahre hat Jutta Fleck unter ihrem damaligen Namen Gallus für internationales Aufsehen gesorgt, als sie gegen das DDR-Regime um die Freilassung ihrer Töchter kämpfte. Durch den Fernsehfilm „Die Frau vom Checkpoint Charlie“ mit Veronica Ferres in der Hautrolle ist ihr Schicksal 2007 wieder in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Die 1946 in Dresden geborene Zeitzeugin hat jetzt an der Vogelsbergschule aus ihrem überaus bewegten Leben erzählt.

 

Jutta Fleck war zu Gast an der Vogelsbergschule.

„Für Freiheit und Demokratie muss man jeden Tag kämpfen“, betonte die Rednerin, die heute in Wiesbaden lebt und in Schulen junge Menschen für die Bedeutung von Freiheit und Demokratie sensibilisieren will. In der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung leitet sie das Schwerpunktprojekt „Aufarbeitung der SED-Diktatur“.

Das Leben in der DDR sei nach dem Bau der Mauer immer schlimmer geworden. Sie habe sich gefragt: „Passe ich mich der Diktatur an oder versuche ich alles, um ihr zu entfliehen?“ Dann habe sie sich entschieden, sich dem DDR-Regime zu widersetzen. Nach dem Helsinki-Abkommen von 1975, in dem die Menschenrechte garantiert worden und das von der DDR unterzeichnet worden sei, habe sie zehn Ausreiseanträge gestellt. Alle Gesuche seien abgelehnt worden. Nach der Trennung von ihrem Mann, einem loyalen DDR-Bürger, habe sie sich an eine Fluchthelferorganisation gewandt, die sie und ihre beiden Töchter über Rumänien und Jugoslawien in die Bundesrepublik bringen sollte.

Eindrucksvoll schilderte Jutta Fleck den Schülern, wie der Fluchtversuch aufflog und sie und ihre Töchter vom rumänischen Geheimdienst verhaftet wurden. Nach drei Monaten Haft in Rumänien wurden Jutta Fleck und ihre Töchter mit einer Sondermaschine nach Ost-Berlin gebracht und anschließend getrennt. „Es blieb keine Zeit, sich zu verabschieden, das tat unendlich weh“, erinnerte sich Fleck.

Während die beiden Töchter zunächst für ein halbes Jahr in ein Kinderheim in Meißen gebracht wurden und später bei ihrem Vater lebten, kam Jutta Fleck in Untersuchungshaft. In der Haftanstalt in der Normannenstraße in Ost-Berlin und im Stasi-Gefängnis in Dresden erlebte sie eine „menschenunwürdige Behandlung“. Am 4. Januar 1983 wurde sie wegen versuchten ungesetzlichen Grenzübertritts in einem besonders schweren Fall zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Die Haftzeit verbrachte sie in der berüchtigten Burg Hoheneck bei Stollberg in der Nähe von Zwickau. Anschaulich schilderte Jutta Fleck die Haftbedingungen. Längere Zeit musste sie in einer winzigen Zelle im Keller ohne Kontakt mit Mitgefangenen verbringen. „Man muss sich etwas einfallen lassen, um nicht verrückt zu werden“, erinnerte sie sich an ihre Durchhaltestrategien. Kontakte zur Außenwelt waren nur über ihren Bruder möglich, auf Briefe ihrer Töchter durfte sie dreimal im Monat antworten.

Noch vor ihrem offiziellen Haftende wurde sie auf Betreiben des DDR-Rechtsanwalts Wolfgang Vogel von der Bundesrepublik freigekauft. Bedingung war allerdings, auf das Erziehungsrecht ihrer Kinder schriftlich zu verzichten. „Hätte ich das nicht gemacht, hätte ich nicht ausreisen können und meine Kinder wohl nie mehr wiedergesehen“, erläuterte die Zeitzeugin.

Das ganze Streben von Jutta Fleck galt nun, ihre Töchter in die Bundesrepublik zu holen. Mit vielen Aktionen machte sie auf ihre Forderung aufmerksam. Zunächst mit einem Hungerstreik und dann mit einem Besuch bei Papst Johannes Paul II. in Rom. Anschließend demonstrierte sie ab Oktober 1984 wiederholt am Checkpoint Charlie, dem alliierten Grenzübergang in Berlin. Im Mai 1985, anlässlich des Festakts zum zehnten Jahrestag der Helsinki-Akte, sprach Fleck in Wien mit dem damaligen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher und informierte ihn über das Schicksal ihrer Töchter. Viel Mut forderte ihr verzweifelter Auftritt am 13. August 1986 im Reichstag in Berlin, wo sie bei der Gedenkveranstaltung zum 25. Jahrestag der Berliner Mauer ans Rednerpult ging und einen flehenden Appell vor der Weltpresse an Helmut Kohl und Willy Brandt richtete.

Ihre Aktionen hatten Erfolg. Die inzwischen 17 und 15 Jahre alten Töchter konnten Ausreiseanträge stellen, denen die DDR-Behörden nachgaben. Am 26. August 1988 brachte Rechtsanwalt Vogel die Mädchen nach West-Berlin. „Der Tag, an dem ich meine Töchter wieder in die Arme nehmen konnte, war unsere Wiedervereinigung“, sagte Jutta Fleck zum Schluss ihres fast zweistündigen Berichts.

 

Quelle Text & Bild: Weil, Kreisanzeiger vom 20.02.2015

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