Kurzmeldungen

Kabarettist Martin Guth begeistert mit frechem Witz und hintergründigen Songs

Knapp zwei Stunden beste Unterhaltung boten Kabarettist Martin Guth und sein musikalischer Begleiter Christian Krauß auf Einladung des Fördervereins der Vogelsbergschule im historischen Rathaus.

Es war ein vergnüglicher Abend, den etwa 70 Besucher jetzt im historischen Rathaus erlebten. Ein Abend mit Martin Guth und seinem musikalischen Begleiter am Keyboard, Christian Krauß, der die Erwartungen mehr als erfüllte. Fast zwei Stunden lang, inklusive einer Zugabe, präsentierte sich der Kabarettist, Buchautor und Kolumnist in prächtiger Entertainermanier, was sein Publikum restlos begeisterte.

Der Unterhalter mit 20-jähriger Kabaretterfahrung ist auch als Mitglied des Duos „FaberhaftGuth“ bekannt. Sein Auftritt in Schotten kam auf Einladung des Fördervereins der Vogelsbergschule zustande, die den humorvollen Abend in der Reihe des mittelhessischen Kultursommers veranstaltete. Der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Erich Gebhard, bereitete die Besucher auf eine „musikalische Leseshow“ vor – und versprach damit nicht zu viel. Unter den Gästen konnte er auch Dietrich Faber begrüßen, der sich die Solo-Show seines Partners nicht entgehen lassen wollte.

Martin Guth fühlte sich in der historischen Umgebung des aus dem frühen 16. Jahrhundert stammenden Fachwerkbaus sichtlich wohl. Kultur auf dem Lande sei machbar, nur – man müsse hingehen zu Veranstaltungen. „Nur so kann Kultur stattfinden“, freute sich der Alleinunterhalter mit Begleitung über das volle Haus.

Sein Programm war gespickt mit frechen, witzigen Passagen, die er aus seinem Debüt-Roman „Meine Frau, ihr Mann und ich“ sowie dem Kolumnen-Sammelband „Mann, Papa – 50 Tage im Leben eines zweifachen Vaters und einfachen Mannes“ vorlas und vorspielte. Im Mittelpunkt des Romans steht Jan, ein gestandener Musiker, Ehemann und Vater zweier Töchter. Sein Leben wird aus der Bahn geworfen, als er seine Ehefrau Heike bei einem Seitensprung auf dem Küchenboden erwischt. Dabei wollte er ihr doch „eine ganz romantische Überraschungsgala“ bieten… Martin Guth gelingt es zu jeder Zeit, auf das Publikum einzugehen. „Sie können, wenn sie sich das Buch gekauft haben, die Szene gerne nachspielen“, meinte er unter dem Schmunzeln der Zuschauer.

Anschließend zieht Jan zu seinen Eltern. „Ich saß im Wohnzimmer, in Decken eingehüllt und hatte nur ein Ziel, mich zu betrinken.“ Aber kein leichtes Unterfangen, wenn man nur die Leichtversion eines bekannten regionalen Braugetränks im Haus des herzkranken Vaters findet. „Was ist mit mir passiert. Manchmal glaube ich, wir leben als Paar zu dritt, meine Frau, ihr Typ und ich“, sinniert der verlassene Ehemann.

Doch es kommt noch schlimmer: Heike verabschiedet sich zur Selbstfindung auf eine einsame Insel. Nun ist Jan neu gefordert, durch die Tücken des Single-Daseins und als zweifacher Familienvater. „Aber welche der Frauenbekanntschaften hat wirklich Zukunft“, lautet seine ungewisse Frage. Amüsant und witzig streift der Autor in seinem Roman die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Karriere und die Erziehung von Kindern.

Die Lesepassagen aus seinem Buch, für das der Mittvierziger sich Seiten mit größeren Buchstaben eingeklebt hat – „sonst würden die Arme nicht reichen“ –, wechseln mit anspruchsvollen Songs, die er zum Teil selbst mit hintergründigen Texten geschrieben hat. Dabei sorgt Christian Krauß für die passenden Begleitmelodien, getragen oder auch rhythmisch flott.

Bei einer Reminiszenz an die 80er Jahre sind viele Hits und bekannte Melodien zu hören. Ein herrlich freches Medley, wobei Guth und Kraus die Songs im Wechsel nur ansingen.

Der Kabarettist scheut auch nicht vor „klaren Aussagen“ zurück. „Was haben ein Baumarkt und die Parfümeriekette Douglas gemeinsam“, fragt er in die Runde. Die Antwort kommt unmittelbar: „Bei beiden geht es im weitesten Sinn um Restaurierung!“ Köstlich ist auch die Romanpassage, in der Jan in einem Hotel in Bad Nauheim die Sauna genießen will. Pech nur, dass gerade Damensauna angesagt ist und erst kürzlich ein Mann dort Frauen belästigt hat.

In seiner Kolumnensammlung – aus seinem persönlichem Kosmos – geht er auf witzige und pointenreiche Art auf die Probleme bei der Organisation von Kindergeburtstagen ein. Die „Events“ müssen genauestens geplant sein, da die Kinder heute alle allergisch sind. „Die Ernährung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert“, sagt Martin Guth. „Heute braucht jedes Kind seine eigene Kost.“

Seine unterhaltsamen Beobachtungen beim „Ikea-Stress“ (Guth hasst Shopping) haben einen sehr authentischen Hintergrund. Man fühlt sich in die eigene Beobachterrolle versetzt. Auch zum demografischen Wandel bezieht er Stellung: „Früher hatten die Eltern vier Kinder, heute haben die Kinder vier Eltern…“

Viel Gelächter erntete er ebenso mit ungewollt skurrilen Schlagzeilen aus Tageszeitungen der Region: Wenn etwa ein Autofahrer auf einer kurvenreichen Strecke das Tempolimit von 70 Stundenkilometern um ein „Vielfaches“ überzieht oder in einer Überschrift zu lesen ist: „Die Zeit drängt: Nur noch ein Urnengrab frei“. Wer einen echt witzigen und zugleich anspruchsvollen Abend erleben will, sollte sich Martin Guth nicht entgehen lassen.

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Quelle Text & Bild: Weil, Kreisanzeiger vom 17.9.2018

 

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