Kurzmeldungen

„Das Europaparlament ist keineswegs zahnlos“

PODIUMSDISKUSSION: EU-Abgeordnete und Politker stellen sich Fragen der Schüler

 

„Das Europaparlament ist keineswegs zahnlos. Sämtliche Gesetze, die in Deutschland beschlossen wurden, um den Finanzsektor zu zähmen, haben ihren Ursprung im EU-Parlament“, sagte Wolf Klinz (FDP). Auf die kritische Nachfrage eines Lehrers nach der Wirksamkeit des Gremiums wusste der Europa-Abgeordnete mit Fakten zu antworten. Klinz stand während einer Podiumsdiskussion am Europatag am 9. Mai Schülern der neunten und zehnten Klassen der Vogelsbergschule und ihren Lehrern Rede und Antwort zu Themen wie Bildung und Politikverdrossenheit in Europa.

Podiumsdiskussion EuropaFoto: Hans Otto Zimmermann, Vorsitzender des Verschwisterungsvereins, begrüßte Susanne Schaab, Wolf Klinz, Moderator Michael Giers, Thomas Mann und Eva Goldbach (von links) zur Podiumsdiskussion.

Zu Gast waren außerdem der Europa-Abgeordnete Thomas Mann (CDU) und Schottens Bürgermeisterin Susanne Schaab. Die Grünen wurden von der Landtagsabgeordneten und Vorsitzenden der Europa-Union Vogelsberg, Eva Goldbach, vertreten. „Der SPD-Kandidat Udo Bullmann hatte zwar zugesagt, musste aber einen anderen Termin wahrnehmen“, erklärte der Vorsitzende des Schottener Verschwisterungsvereins, Hans Otto Zimmermann. Bullmanns Stellvertreter war erkrankt, sodass von der SPD kein Vertreter teilnahm.

Sowohl Schüler als auch Lehrer beteiligten sich rege an der Diskussion, die KA-Redakteur Michael Giers leitete. Einige Schüler monierten, dass die Abgeordneten für sie völlig unbekannt seien. „Deutschland stellt 96 Abgeordnete. Unser Wahlkreis ist entsprechend groß, meiner umfasst ganz Hessen. Außerdem haben wir 40 Sitzungswochen, in denen wir in Brüssel oder Straßburg sind. Wann sollen wir da herumreisen?“, sagte Klinz. Mann entgegnete, er sei sehr wohl präsent. „Montag ist bei mir Schultag. Da besuche ich nicht eine, sondern zwei Schulen. Man kann also nicht sagen, dass ich mich nicht blicken lasse. Ich habe da Bock drauf.“

„Die Lustlosigkeit ist ein wunder Punkt. Das schmerzt“, stellte Klinz auf die Frage fest, was man gegen die zu erwartende geringe Wahlbeteiligung tun könne. Was Europa in den vergangenen 60 Jahren hervorgebracht habe, werde als selbstverständlich angesehen. „Was in der Ukraine passiert, zeigt, dass Frieden, Freiheit und Wohlstand nicht selbstverständlich sind. Das ist nicht vom Himmel gefallen.“ Susanne Schaab erklärte, dass Europa auch in Schotten stattfinde. „Wenn wir ein Dorfgemeinschaftshaus sanieren, geschieht das mit EU-Mitteln.“

„Ich erlebe das so, dass in Europa ständig Rettungsschirme aufgespannt und faule Kredite vergeben werden“, warf ein Schüler ein. Klinz, Vorsitzender des Sonderausschusses zur Finanz-, Wirtschafts- und Sozialkrise, entgegnete, bisher habe man lediglich Garantien gegeben. „Im Gegensatz dazu, was der Euro uns gebracht hat, ist das nicht viel.“

Obwohl kein explizit europäisches Thema, wurde auch die Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre diskutiert. „Europa hat bei G8 wenig zu bewegen. Das war eine deutsche Diskussion“, sagte Mann. Goldbach bezeichnete es als Fehler, den bisherigen Lernstoff in ein neues Korsett zu pressen. „In Frankreich wird ganz anders unterrichtet. Die Frage ist, ob wir innerhalb Europas konkurrenzfähig sind. Und ich glaube, dass uns ein Jahr mehr oder weniger nicht schlechter macht.“ Wichtiger ist den Abgeordneten der Erhalt des dualen Ausbildungssystems. Thomas Mann trat für den Meisterbrief ein und zeigte sich zufrieden, dass Spanien das System aus Deutschland übernehmen will. „Das ist eine Frage der Qualität und Kompetenz. Deshalb kämpfe ich für den Meisterbrief.“

Insgesamt zeigten sich die Schüler zufrieden mit Angebot und Verlauf der Diskussion. Es gab aber auch kritische Stimmen. „Ich hatte das Gefühl, manchmal abgewürgt zu werden, wenn es unangenehm wurde“, sagte der 19-jährige Jakob Eggers. Er finde es dennoch gut, dass den Schülern die Möglichkeit gegeben worden sei, mit den Politikern ins Gespräch zu kommen. „Ich denke schon, dass es das Politikverständnis fördert.“ Wählen gehen will er am 25. Mai auf jeden Fall. „Aber das hätte ich auch ohne die Diskussion gemacht.“

Die Bläsergruppe unter der Leitung von Martin Philippi hatte zu Beginn die Europahymne gespielt. Mithilfe von Skype steuerten Schüler aus Schottens Partnerstädten Beloeil, Crosne, Maybole sowie aus den befreundeten Städten Bogen und Roccella nacheinander die Strophen in der jeweiligen Sprache bei.

 

Quelle Text & Bild: Kaufmann, Kreisanzeiger vom 10.05.2014

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